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- Veröffentlicht am Donnerstag, 07. August 2025 14:46
Zoff zwischen Katholiken und Protestanten nach der Beerdigung eines Kindes
Einem umherziehenden katholischen Korbmacher, der sich gegen die Landesverordnung auf dem Gutenbacher Hof – im Norden der Pfalz – heimlich aufgehalten hat, starb sein 5-jähriges Kind.
Ohne Zweifel auf Geheiß der katholischen Hofleute ging der Vater dieses Kindes zum katholischen Pfarrer von Bayerfeld mit der Bitte, das Kind auf dem Kirchhof zu St. Alban, zu dieser Gemeinde der Gutenbacher Hof gehörte, zu begraben. Der Bayerfelder Pfarrer hat zugesagt.
Der Vater des verstorbenen Kindes nebst den Leichen-Begleitern kamen zu St. Alban auf dem Kirchhof an, es wurde ihnen von den Evangelischen weder der Kirchhof gesperrt, noch sonst was quasi in den Weg gelegt.
Die Gutenbacher warteten anderthalb Stunden auf den Bayerfelder Pfarrer, da dieser aber nicht kam und ihnen die Zeit zu warten zu lang wurde, „beerdigten sie das Kind unter einem Gebet zu Gott und gingen nach Hause“.
Nachdem alles vorbei war, kam der Bayerfelder Pfarrer und nach Aussage der St. Albaner betrunken. Als der Pfarrer vernommen, dass das Kind schon begraben ist, weil man auf ihn nicht mehr warten wollte, wollte er mit aller Gewalt, dass das Kind wieder ausgraben und noch einmal begraben werden soll, wobei er mit heftigem Schänden, Schimpfen und Schmähen über die Evangelische Religion herzog, dass die ebenfalls aufgebrachten Bauern ihm geraten haben, „sich augenblicklich seines Weges fort zumachen, wann er nicht tüchtig abgeprügelt seyn wolle“.
Er unterließ die Ausgrabung, beschwerte sich aber schriftlich bei der Obrigkeit, der zuständigen Reichsgrafschaft Falkenstein. Er wandte sich mit diesen Worten an die Reichsgrafschaft:
„Das Kind seye nicht nach Christlichem Gebrauch, sondern gleich einem verreckten unvernünftigen Vieh untergescharrt worden“. Er sei Willens gewesen, „solches Kind ohne Verzug wiederum auszugraben zu laßen, weilen er aber befürchtet, es möchte Aufruhr erwecken, welches die ihm angedrohte Tracht Schläge bedeutet, so habe er es unterlassen“.
Quelle: Akte Grafschaft Falkenstein, Bestand C14 Nr. 985, Landesarchiv Speyer. Titel: Religionsstreitigkeiten in der Herrschaft Stolzenberg von 1771 bis 1779. - Bernhard Bumb
