Aktuell

Gedenkzimmer für Sophie von La Roche in Speyer. © Bernhard Bumb

Sophie von La Roche lädt wieder zu sich in Speyer ein (Teil 3)

Mit Christoph Martin Wieland ein Leben lang befreundet / Seit 23. Mai ist die Sophie von La Roche-Gedenkstätte wieder geöffnet.

Von Bernhard Bumb

Sophie von La Roche wurde am 6. Dezember 1731 als älteste Tochter des Arztes Georg Friedrich Gutermann von Gutershofen und dessen Frau Regina Barbara Unold in Kaufbeuren geboren. Sophie genoss nicht nur die im gehobenen Bürgertum übliche Bildung (Katechismus, Tanzen, Französisch, Blumen malen, Klavier spielen, Zeichnen, Kochen, Sticken und Haushaltsführung) , ihr Vater unterrichtete sie zusätzlich in Astronomie und Geschichte.

   Nach dem Tod ihrer Mutter wurde Sophies Verlobung mit dem Arzt Bianconi „auf Befehl“ ihres Vaters gelöst. Bianconi war katholisch, die Gutermanns streng protestantisch. Im Alter von 17 Jahren kam die Tochter auf Initiative des Vaters zur verwandten pietistischen Pfarrerfamilie Wieland nach Biberach. Dort verliebte sich die Sophie in den Sohn Christoph Martin. Aber auch diese Verlobung mit ihrem Vetter passte dem Vater nicht.

   Seine Tochter fügte sich und heiratete Georg Frank von La Roche, damals kurmainzerischer Hofrat, Vermögensverwalter und Privatsekretär für seinen leiblichen und Adoptivvater Friedrich von Stadion-Warthausen, kurmainzischer Staatsminister. La Roche war zwar auch katholisch, aber dessen Position überzeugte Sophies Vater. Dennoch hielt die Freundschaft der Sophie mit Wieland ihr Leben lang.

   Sophie befasste sich bald mit der Schriftstellerei. Mit ihrem Roman „Die Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ (1771), den Wieland herausbrachte, erregte sie großes Aufsehen. Die Kritiker überhäuften sie mit Lob. Ein Rezensent sah in der „Sternheim“ kein Buch sondern eine „Menschenseele“. Goethe sagte, man müsse aufhören von diesem Buch zu reden, sondern es lesen und lieben.

   In Speyer gab Sophie zusammen mit dem Rektor Johann G. Hutten die Frauenzeitschrift „Pomona – Für Teutschlands Töchter“ heraus. Zu den Abonnenten gehörte Katharina II. von Russland. Die Zarin (Kaiserin) soll 500 Abonnements geordert haben. Die Großen des deutschen Verlagswesens, Buchhandels und der Literatur besuchten die La Roches, u. a. Goethe, Jung-Stilling und Lavater. Herr von Hohenfeld soll, als Friedrich Schiller wieder einmal bei den von La Roches zu Besuch weilte, diesen auf die Idee gebracht haben, den „Don Carlos“ zu schreiben.

   Zum Freundeskreis der La Roches gehörte der Domherr Joseph Anton Siegmund von Beroldingen, u. a. ein großer Förderer der Literatur. Beroldingen wohnte in der Domkurie Hof zum großen Senfgarten (Domplatz 4).

   Im Juli 1784 befand sich Sophie von La Roche am Mont Blanc. Eine Reisegruppe mit Sophie begleitete die Männer, die sich zur Erstbesteigung dieses Berges auf den Weg machten. Angeblich wäre Sophie gerne mit auf den Gipfel gestiegen. Wie andere Teilnehmer der Gruppe sei auch sie von starken Burschen auf einer Art Sänfte getragen worden. Doch habe ein aufziehendes Unwetter die Erstbesteigung zunächst vereitelt und als die Reisegruppe wieder ins Tal ging, hat Sophie die Absätze ihrer Pumps mit einem Stein abgeschlagen und ist auf glatten Sohlen zum Ausgangspunkt der Tour zurückmarschiert.

   1786 zogen die La Roches nach Offenbach am Main – das wollte der Gatte, Sophie wäre lieber in Speyer geblieben. Nach dem Tod ihres Mannes (1788) reiste die Witwe noch einmal zu Wieland (Oßmannstedt/Thüringen). Dort traf sie mit Goethe, Schiller und Herder zusammen. Sophie von La Roche stirbt am 18. Februar 1807 in Offenbach - Grab an der St.-Pankratius-Kirche in Offenbach-Bürgel.

 

   Zitat: „Sophie gilt als erste Vertreterin moderner Unterhaltungsliteratur in Deutschland. Ihre inhaltlich und formal von den Werken S. Richardsons, aber auch J.-J. Rousseaus und O. Goldsmiths beeinflussten Erzählungen und Briefromane verbinden aufklärerische Vernunftmoral mit der enthusiastischen Seelensprache des Pietismus“.

   In Speyer ist der bedeutendsten Schriftstellerin Deutschlands ihrer Zeit nicht nur die Gedenkstätte im Hohenfeldschen Hof sondern auch eine Straße im Westen der Stadt gewidmet. Sophie von La Roche ist die Großmutter von Clemens Brentano und Bettina Brentano verheiratete von Arnim.

   Die Sophie von La Roche-Gedenkstätte, Maximilianstraße 99 in Speyer, ist donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. - Fortsetzung folgt.

   Teil 2 (3. 6. 2023): - Textquellen: s. Folge 4 (Schluss)

Zusätzliche Informationen