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Bettina Schausten

 

Peter Müller                  Horst Köhler  

Bettina Schausten, Horst Köhler und Peter Müller predigen im Speyerer Dom

Motto: „Im Puls“

Speyer. - Fastenpredigten wollen traditionell neue Impulse geben und dazu einladen, in besonderer Weise ins Nachdenken zu kommen.

   Mit Peter Müller, Bettina Schausten und Horst Köhler werden 2024 drei prominente und profilierte Persönlichkeiten im Speyerer Dom sprechen, von denen „aktivierende und aufrüttelnde Akzente in der Österlichen Bußzeit erwartet werden“, sagt Weihbischof und Dompropst Otto Georgens.

   Unter dem Titel „Im Puls“ wird an drei aufeinander folgenden Donnerstagen der Fastenzeit eine abendliche Andacht stattfinden, in deren Zentrum jeweils der Wortbeitrag eines der Gastprediger steht. Den Auftakt macht am 29. Februar, 19:30 Uhr, der Impuls von Dr. Peter Müller, Ministerpräsident a.D. und ehemaliger Richter beim Bundesverfassungsgericht. Am darauffolgenden Donnerstag, 7. März, 19.30 Uhr, wird die studierte Theologin Bettina Schausten, Chefredakteurin des ZDF, im Dom predigen. Zum Abschluss hält Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Horst Köhler am 14. März, ebenfalls um 19.30 Uhr, die dritte Fastenpredigt. Die jeweils etwa einstündigen Andachten werden musikalisch von Domorganist Markus Eichenlaub gestaltet. Alle Fastenpredigten werden live auf den Social Media Kanälen von Dom und Bistum übertragen.

 

Zusammenfinden, Spaltung überwinden

   Die vom Speyerer Domkapitel im vergangenen Jahr initiierte Predigtreihe steht 2024 unter dem Leitthema „Zusammenfinden, Spaltung überwinden“. Diese Überschrift knüpft an die Inschrift über dem Domportal an: „Ut unum sint.“ / „Alle sollen eins sein“ (Joh 17, 21). Dieser Satz aus dem sogenannten „Hohepriesterlichen Gebet“ Jesu im Johannesevangelium steht dort als Zeichen und Mahnmal der Einheit. Die Bitte um Einheit bezieht sich zum einen auf die Spaltung der Christen in verschiedene Konfessionen. „Zum anderen verstehen wir diesen Satz als Mahnung, die Spaltungen und Gräben zu überwinden, die es zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, Ethnien und Nationen gibt“, erläutert Georgens.

   Der Bau des Doms ist in einer Zeit begonnen worden (1030), in der die Christenheit noch nicht in Ost- und Westkirche gespalten war. Im Mittelalter war er als geistlicher Mittelpunkt des Reiches der Salier ein Zeichen für dessen Einheit. Der Wunsch nach Einheit in der Vielfalt wurde auch in der Folgezeit immer wieder mit dem Speyerer Dom verknüpft. Nicht zuletzt hat Bundeskanzler Helmut Kohl seinen Staatsgästen die Idee des neuen, vereinten Europas anhand des Speyerer Doms erläutert, und auch Papst Johannes Paul II. hat bei seinem Besuch in Speyer 1987 über die Einheit gepredigt. „Wir hoffen, dass uns die diesjährigen Predigten Perspektiven mit auf den Weg zu mehr Einheit und weniger Spaltung geben werden“, sagt Weihbischof Georgens.

 

Hintergrund: Zur Tradition der Fastenpredigten

   Fastenpredigten haben in der katholischen Kirche eine lange, bis in das 5. Jahrhundert zurückreichende, Tradition. In früherer Zeit dienten sie auch der Vorbereitung der Taufbewerber auf den Empfang der Taufe in der Osternacht. Heute sollen sie, entsprechend dem Sinn der Österlichen Bußzeit, den Glauben der Zuhörer intensivieren und sie dabei unterstützen, ihr Leben am Evangelium zu orientieren.

   Fastenpredigten sind gewöhnlich länger als eine Sonntagspredigt und werden meist von bekannteren Kanzelrednern, gelegentlich auch von prominenten Laien, gehalten. Thematisch beschäftigen sie sich häufig mit den Grundlagen des christlichen Glaubens sowie Übungen der christlichen Askese, wie sie beispielsweise im Fasten zum Ausdruck kommen. Liturgisch wird die Fastenpredigt allenfalls durch wenige Liedstrophen oder meditative Musik, Abschlussgebet und Segen zu einer Andacht erweitert.

   Für das Spätmittelalter, vor Einführung der Predigtpflicht im Sonntagsgottesdienst, sind Fastenpredigten als allabendlicher Brauch von Aschermittwoch bis Ostern bezeugt. Oft wurden sie von Mönchen der Predigerorden gehalten und kamen dem wachsenden Bedürfnis nach persönlich-individuellem Glauben entgegen.

   Nicht selten enthielten sie eindringliche Beschreibungen der Leiden Christi und drastische Appelle zur Lebensführung der Zuhörer. Heute ist die wöchentliche Fastenpredigt im Rahmen einer thematischen Reihe vor allem im deutschen Sprachraum und in Frankreich verbreitet. - Friederike Walter

   Bilder: Peter Müller © privat; Bettina Schausten © ZDF/Markus Hintzen; Horst Köhler © Felix Brüggemann

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