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- Veröffentlicht am Samstag, 24. Dezember 2022 05:18
Bladelin-Altar: Geburt Jesu, Gemälde von Rogier van der Weyden (um 1450) © Gemäldegalerie Berlin
Augustus, Jesus und der Bladelin-Altar
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Zwei Weihnachtsgeschichten treffen aufeinander. Die eine Weihnachtsgeschichte kennen wohl die meisten Leute. Diese Geschichte beginnt mit den Worten: Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
Und jedermann ging, dass er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das judäische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum… Quelle: Lukas Evangelium (Neues Testament/Bibel).
Das Kind, das im Stall von Bethlehem geboren wird, wurde seiner Mutter namens Maria vom Erzengel Gabriel verkündet: der Herr, der Sohn Gottes, König, Heiland, Friedensbringer – Jesus.
Die andere Weihnachtsgeschichte: Als die ganze Welt der römischen Herrschaft unterworfen war, gefiel Augustus den Senatoren so sehr, dass sie ihn als Gott verehren wollten. Doch der kluge Kaiser wollte sich das nicht anmaßen. Als sie ihn bedrängten, rief er die Sibylle zu sich; durch sie wollte er erfahren, ob auf der Welt jemals ein Größerer als er geboren werde. Es war just am Tage der Geburt des Herrn, als die Sibylle die Orakel befragte: Da erschien am helllichten Tag ein goldener Kreis um die Sonne und mitten darin eine Jungfrau mit einen Kind.
Die Sibylle gab die Erscheinung dem Kaiser bekannt und zeigte sie ihm und während er über diese Vision höchst staunte, sagte die Sibylle zu ihm: ‹Dieser Knabe ist größer als du, und darum bete ihn an!› Darauf brachte Augustus diesem Kind Weihrauch dar und wies das Ansinnen zurück, sich als Gott verehren zu lassen. - Quelle: Goldenes Legendenbuch.
Gemäß der wissenschaftlichen Feststellungen hinsichtlich der Legende hat Augustus das Kind schon am Weihnachtstag angebetet und somit zwei Wochen früher als die drei Weisen (Astronomen, Sterndeuter, Magier, Könige). Nach seinem Tod (14 n. Chr.) wurde Augustus zum Staatsgott erklärt (wie später andere Herrscher ebenfalls).
Hätte sich die Vision der Sibylle durchgesetzt und wäre von Lukas mit Erzengel Gabriel ergänzt worden, hätte Weihnachten schon im Jahr 27 v. Chr. stattgefunden, zumal mit dem Jahr 27 v. Chr die „Pax Romana“ (Römischer Frieden) oder „Pax Augustus“ (Friede des Augustus) beginnt ein mindestens 200-jähriger Frieden Römischen Reich trotz mehrerer kleineren Aufstände und kleiner Bürgerkriege, aber prinzipiell mit innerem Frieden und innerer Stabilität des Reiches.
Fazit: Augustus der Friedensbringer auf Erden (Römisches Reich), Jesus der Verkünder des himmlichen Friedens, der eine für Wohlstand, Glück und Frieden auf Erden (im Römischen Reich), der andere für das ewige Leben im Himmelreich.
Der Bladelin-Altar
Der Bladelin-Altar, ein Triptychon (Dreiteiler), stellt die Ankunft Jesu auf der Erde dar, den nach christlicher Vorstellung Beginn der Erfüllung der Verheißung eines Retters der Welt. Er verbindet die zentrale Darstellung dieses Ereignisses im Mittelteil mit zwei weiteren, die Deutung und Bedeutung der Geburt unterstreichen sollen.
In der Mitteltafel ist die Geburt im Stall zu Bethlehem dargestellt, nach dem christlichen Evangelium zur Zeit des Kaisers Augustus. Maria, die Mutter und das Kind werden dargestellt, man sieht weiter Josef, der eine brennende Kerze hält, Symbol der Ankunft eines Lichtes in die dunkle Welt. Im Bild wird der kniende Stifter in Anbetung des Kindes in das Geschehen einbezogen, im Hintergrund zeigt die Verkündigung der Geburt durch Engel an die Hirten die Verbreitung der „frohen Botschaft“.
Der linke Flügel zeigt die Deutung eines Traumes des Augustus durch die Sibylle von Tibur. Diese im Mittelalter populäre Legende aus der Legenda Aurea erzählt, dass dem Kaiser am Tag der Geburt Christi am Himmel eine Frau mit Kind erschien und die heidnische Sybille dies auf die Ankunft eines himmlischen Herrschers deuten konnte. Neben seinen Beratern, die die Vision nicht zu deuten wussten, ist nun Augustus kniend dargestellt, in Unterordnung seines weltlichen Machtanspruches.
Auf dem rechten Flügel ist die Ankunft der Heiligen Drei Könige in Bethlehem dargestellt. Auch diese heidnischen Herrscher und Sterndeuter aus dem fernen Orient haben die Bedeutung der Geburt erkannt und sind gekommen, um dem Kind ihre Verehrung darzubringen.
Pieter Bladelin war ein sehr vermögender und führender Bürger der Stadt Brügge im 15. Jahrhundert, Stifter des Altares. - red / Qu.: Informatrionen aus Wikipedia, Brockhaus Enzyklopädie (21. Auflage). Bild/lizenzfrei: https://www.wikiart.org/de/rogier-van-der-weyden/bladelin-altar-1450
