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© Klaus Landry

„Liebe, für die wir Zeugen sein sollen“

Speyer. - Pontifikalamt zum Deutschen Seminaristentag und zum 65jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Speyer-Chartres - Mehrere Bischöfe, 250 Priesteramtskandidaten und Gäste aus Chartres im Dom zu Speyer

   Seminaristen aus dem gesamten Bundesgebiet waren am vergangenen Wochenende zum Deutschen Seminaristentag zu Gast in Speyer. Die angehenden Priester tauschten sich sowohl untereinander als auch mit hochrangigen Kirchenvertretern aus. Eine besondere Verbindung ergab sich zur gleichzeitig gefeierten 65jährigen Städtepartnerschaft von Speyer mit dem französischen Chartres.

   Das feierliche Pontifikalamt zelebrierte Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann mit dem Präfekten des römischen Klerusdikasteriums Kardinal Lazarus You Heung-sik, dem Bischof von Chartres Philippe Christory, der Speyerer Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler und mit 250 Seminaristen, die zusammen mit ihren Seminarvorständen aus dem ganzen Bundesgebiet angereist waren.

   Als verbindendes Element von Deutschland und Frankreich war im Dom zu Speyer die Glocke aus dem „Stacheldrahtseminar“ zu sehen. Das „Seminaire des barbeles“ war ganz in der Nähe von Chartres, in Le Coudray, zu finden. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden hier deutsche und österreichische Seminaristen aus Gefangenenlagern in ganz Frankreich zusammengeführt. Im Stacheldrahtseminar sollten sie das Rüstzeug für eine praktische und moralische Verantwortung in der Nachkriegszeit lernen. Als der damalige Nuntius Roncalli das Seminar 1946 besuchte, sah er darin ein Zeichen der Völkerverständigung.

   Die moralische Erneuerung, die damals geschah, sei auch im Hinblick auf die anstehende Europawahl relevant, so Bischof Wiesemann in seiner Predigt: „So erhält geistliche Ausbildung, ohne es direkt anzuzielen, immer wieder in der Geschichte eine hoch brisante politische Bedeutung und Aufgabe, weil die Liebe, für die wir Zeugen sein sollen, jedem Menschen, jedem Geschöpf auf diesem Erdenrund gilt und die Versöhnung, die uns Christus durch sein Blut erwirkt hat, das ganze Menschengeschlecht ausnahmslos umfasst.“ Er sprach sich dafür aus, mit einem weiten Horizont zu denken und zu urteilen - katholisch heiße auch weltumfassend zu sein.

   Als konkrete Beispiele hierfür begrüßte Bischof Wiesemann Kardinal Lazarus You, einen Südkoreaner, der in Rom das Klerusdikasterium leitet, sowie Philippe Christory, den Bischof von Chartres. Mit letzterem läutete er die einstige Glocke vom Stacheldrahtseminar von Chartres: „Sie soll uns an die vielen erinnern, die damals aus den bitteren Erfahrungen von Gewaltherrschaft und Krieg mit dem festen Vorsatz herausgegangen sind, alles zu tun, damit nie wieder Krieg werde, nie wieder Hass die Menschen und Völker entzweien, kein engstirniger Nationalismus dem anderen die Würde rauben sollte, sondern Freiheit und Frieden, Versöhnung und Völkergemeinschaft unser Leben prägen sollten.“

   Das Pontifikalamt am Sonntag bildete den Abschluss des dreitägigen Programmes des Deutschen Seminaristentages. Am Freitag startete die Begegnung im Priesterseminar St. German in Speyer. Nach einer Vigilfeier begrüßten Bischof Wiesemann, Regens Vogelgesang (Bistum Speyer) und Regens Gärtner (Bistum Fulda, Vorsitzender der deutschen Regentenkonferenz) die Seminaristen. Es folgten eine eucharistische Anbetung und die Komplet. Der Samstag begann mit einer Heiligen Messe im Priesterseminar. Im Anschluss gab es bei einer „Conferenza“ die Gelegenheit, mit Kardinal You ins Gespräch zu kommen.

   Am Nachmittag standen Dom- und Stadtführungen auf dem Programm, so wurde zum Beispiel auch das Judenbad in Speyer besichtigt. Nach der Vesper in der Friedenskirche St. Bernhard begann ein pfälzisch-französisches Abendessen. Eine Komplet läutete das Ende des Tages ein.

   Am Sonntag folgte der Laudes das Pontifikalamt. Anschließend begann nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen im Priesterseminar St. German die Rückreise der Teilnehmenden. - is

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