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© Bernhard Bumb/Archiv

Mit dem Tod Heinrichs V. endete die Epoche der Salier

Der Kaiser stirbt heute vor 900 Jahren / Herausragende Förderung der Einwohner/Bürger von Speyer

Vor 900 Jahren, am 23. Mai 1125, stirbt Kaiser Heinrich V. Da er keine legitimen Nachkommen hatte endete mit seinem Tod auch die Herrschaft der Salier, die mit der Wahl seines Urgroßvaters, Konrads II., zum König am 4. September 1024 begonnen hat.

   Heinrich V. ist nicht in der Reihe seiner Vorfahren bestattet. Der Sarkophag mit seinen sterblichen Resten wurde anlässlich der Wiedereröffnung der Krypta und der Gruft anno 1906 neben der südlichen Treppe in der Gruft in eine Nische geschoben.

   Weil Heinrich V. seinen Vater vom Thron stürzte, wurde er abseits von seinen Vorfahren bestattet, hieß es früher offiziell.

   Jedenfalls standen die Speyerer allen Saliern – Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V. - treu zur Seite. Sehr wichtig für Speyer und in der Reichsgeschichte herausragend sind zwei bedeutende Privilegen von 1111, verliehen von Heinrich V.

   Am 7. August 1111 fand im Dom zu Speyer die Begräbnisfeier für Kaiser Heinrich IV. statt. Heinrich V. erließ nach der Beisetzung seines Vaters zwei Privilegien, die den Speyerer Bürgern wichtige Freiheitsrechte brachten. Das erste Privileg datiert vom 7. August, dem Tag der Beisetzung Kaiser Heinrichs IV., das andere vom 14. August 1111, dem für das Totengedenken an den verstorbenen Vater wichtigen siebte Tag danach.

   Im ersten Privileg werden die Vorstellungen über das Totengedenken für den Vater festgehalten. Die Privilegien für die Bürger der Stadt Speyer gelten als Meilenstein in der Entstehungsgeschichte bürgerlicher Freiheitsrechte. Den Bewohnern wurden zahlreiche Rechte und Vergünstigungen, unter anderem Befreiung von Erbschaftsabgaben (Buteil), von der Abgabe des Bannpfennigs sowie von der Abgabe des Schosspfennings, zugesichert. Keiner anderen Stadt im Reich wurden vorher solch umfassende und weitreichende Freiheiten gewährt.

 

Das Armesünderglöcklein

   Wenn ein Kaiser, ein König starb, begann die größte Glocke im Dom zu Speyer, wie von Geisterhand bewegt, dumpf und feierlich zu läuten. Da liefen die Speyerer zusammen und riefen: „Der Kaiser ist gestorben, der Kaiser ist tot!“

   Wenn ein armer Sünder hingerichtet wurde, begann das Armesünderglöcklein von alleine zu läuten. Und die Speyerer fragten sich: „Wer wurde heute gerichtet?“

   Als Kaiser Heinrich IV., von seinem Sohn Heinrich V. vom Thron gestürzt, arm und krank, auf einem Bett aus Holz und Stroh in einer einfachen Hütte das Leben aushauchte, hub die Kaiserglocke an zu läuten und alle Glocken der Stadt stimmten ein. Da liefen die Speyerer zusammen und riefen: „Der Kaiser ist gestorben, der Kaiser ist tot!“

   Jahre später lag Heinrich V. krank auf einer goldenen Lagerstatt, auf kostbaren Tüchern, in einem prunkvollen Gemach und starb. In diesem Moment, als der Kaiser aus dem Leben abberufen wurde, begann das Armesünderglöcklein zu läuten und wimmerte durch die Nacht. Alle anderen Glocken blieben aber stumm. Da liefen die Speyer zusammen und jeder fragte den anderen: „Wer wurde heute gerichtet?“ - Quelle: unbekannt.

 

Das Privilegienfest

   In Erinnerung an die Privilegien von 1111 feiert die Saliergesellschaft dieses Jahr am Samstag, 2. August, ab 17 Uhr das traditionelle Privilegienfest im Dom zu Speyer. Heinrich V. veranlasste u. a. dass die Einwohner/Bürger zu Speyer alljährlich zum Gedenken an seinen Vater an dessen Todestag den Ärmsten der Armen Brote spenden sollen. Heutzutage spendet die Saliergesellschaft nach ihren Privilegienfesten (am/um den 7. August) die erwirtschafteten/gesammelten Geldbeträge für soziale, beziehungsweise karitative Einrichtungen.

 

Private Daten

   1086 geboren (wo?) - gestorben an Krebs am 23. Mai 1125 in Utrecht (Eingeweiden im Dom zu Utrecht, Gebeine im Dom zu Speyer bestattet) – seit 1098 Mitkönig seines Vaters – seit 1106 König bis zu seinem Tod – von 1111 bis zum Tod römisch-deutscher Kaiser – 1109: Verlobung des 23jährigen Heinrich V. mit der 7jährigen Königstochter Mathilde von England – 1114 prachtvolle Hochzeit Heinrichs und Mathildes in Mainz – 1125: da die Ehe kinderlos blieb, erlischt mit dem Tod Heinrichs V. das Haus der Salier.

   Mathilde war die Tochter des englischen Königs Heinrich I. Als Frau Heinrichs V. trug sie den Titel Römische Kaiserin. In zweiter Ehe war sie mit dem Grafen Gottfried V. von Anjou verheiratet. Den Titel Kaiserin legte sie nie ab. Sie wurde Thronerbin Englands und der Normandie, da sie das einzige legitime Kind Heinrichs I. von England war.

   Aus einer unbekannten Verbindung hat Heinrich V. eine uneheliche Tochter namens Berta (geboren um 1103), die seit 1117 mit dem Grafen Ptolemäus II. (Tolomeo II.) von Tusculum verheiratet war. - bb

   Titelbild: Im Jahr 2011 feierte die Stadt Speyer 900 Jahre Bürgerfreiheiten, die ihr anno 1111 von Kaiser Heinrich V. verliehen wurden. Anlass fürs Aufhängen von zwei Transparenten am Altpörtel.

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