REISEN

"STILLE NACHT" - Ein Lied geht um die Welt...

Auf den Spuren des wohl berühmtesten Weihnachtsliedes durch Salzburger Land / Jubiläum kündigt sich an

von Michael Stephan

24.12.1818. Eine kleine Ortschaft in Österreich: Hunger herrscht, Armut greift um sich. Ein Hilfspriester, Joseph Mohr, und ein Lehrer, Franz Xaver Gruber, wollen den Menschen ein Geschenk zum Heiligen Abend machen, wollen Trost und Hoffung geben. Das Lied "Stille Nacht - Heilige Nacht" entsteht und wird am selben Abend in der Kirche von Oberndorf/Salzburger Land uraufgeführt. Tief ergriffen, mit einem wahren Geschenk, gehen die Menschen an diesem Abend nach Hause. Und dieses Gefühl wird sich noch viele, viele Male wiederholen, überall dort, wo das Lied erklingt, überall dort, wo Menschen über Grenzen hinweg sich durch diese Zeilen und Melodie miteinander verbunden fühlen.

Salzburg-Kindheit und Schulzeit Joseph Mohrs

Joseph Mohr war in Salzburg geboren worden und verlebte seine Kindheit und Schulzeit in der mächtigen Stadt der Fürstbischöfe. Arm und reich lagen hier nahe beieinander und Mohr lernte bereits in den ersten Jahren beide Seiten des Lebens kennen.In Salzburg gilt es das Taufbecken im Salzburger Dom zu entdecken, in dem bereits W.A.Mozart getauft wurde. Auch Mohr wurde hier nur wenige Stunden nach seiner Geburt getauft. Nicht weit entfernt davon zeigt das Salzburg Museum in der neuen Residenz den erst 1996 wieder entdeckten Autographen von Joseph Mohr, mit dem nachgewiesen werden konnte, dass er das Gedicht "Stille Nacht" während seiner Zeit als Kooperator in Mariapfarr verfasst hatte. Weiter führt der Rundgang auf den Spuren von "Stille Nacht" in die Steingasse, wo Mohr mit seiner Mutter und den drei Geschwistern aufwuchs.

Arnsdorf: Franz Xaver Grubers Wirkungsstätte als Dorflehrer

Das Schulhaus in Arnsdorf, in dem Franz Xaver Gruber 21 Jahre gelebt hatte und in dem er die Melodie zu "Stille Nacht" komponiert hatte, ist in seinem ursprünglichen Zustand erhalten geblieben. Die einstige Wohnung ist als Museum eingerichtet und vermittelt anschaulich das einfache Leben eines Dorfschullehrers. Das Museum zeigt Autographen von früheren Kompositionen Grubers, Bilder, Fotos sowie Möbel und Gerätschaften des alltäglichen Gebrauchs. Noch heute werden dort im Erdgeschoss Kinder des Dorfes unterrichtet. Direkt neben dem Schulhaus befindet sich die Wallfahrtskirche, in der Gruber auf der Orgel gespielt hatte. Sie wurde in ihren mechanischen Teilen 1846 vom Salzburger Orgelbauer Ludwig Mooser erneuert. Als Glockenspiel der Kirche ertönt die weltberühmte Melodie.

Oberndorf: Welturaufführung von "Stille Nacht"

Oberndorf liegt rund 20 Kilometer nördlich der Stadt Salzburg und hat als "Stille Nacht-Gemeinde" weltweiten Ruhm erlangt. Jahr für Jahr kommen mehr als 50.000 Besucher aus aller Welt, um den Entstehungsort der Weihnachtslieder zu besichtigen. Am 24. Dezember findet von 17.oo bis 18.oo die traditionelle "Stille-Nacht-Gedächtnisfeier" statt, bei der mit viel Gesang den beiden Liedschöpfern gedacht wird. An Stelle der ehemaligen St. Nikolaus Kirche in Oberndorf, wo 1818 das Lied zum allerersten Mal erklang, wurde die Gruber-Mohr-Gedächtniskapelle errichtet. Das Stille-Nacht-Museum im Bruckmannhaus informiert über die Entstehungs-und Verbreitungsgeschichte des Liedes sowie über die interessante Orts-und Salzschifffahrtsgeschichte-vor allem über das Leben der Schöffleute- die mit dem Lied eng verwoben ist. Besonderer Besuchermagnet ist das weihnachtliche "Stille Nacht Sonderpostamt". Hier können die Besucher ihre Weihnachtspost, versehen mit der Weihnachts-Sondermarke und dem Sonderstempel, direkt vom von Erstaufführungsort in alle Welt entsenden.

Mariapfarr: Mohr verfasste das Gedicht "Stille Nacht" im Jahr 1816

Im Jahr 1996 wurde der Beweis dafür geliefert, dass Joseph Mohr das Gedicht "Stille Nacht" in seiner Zeit als Koopertaor in Mariapfarr verfasst hatte. Das Stille-Nacht-Museum ist dem Pfarr-und Wallfahrtsmuseum Mariapfarr angeschlossen und umfasst eine detaillierte Dokumentation über das Leben von Joesph Mohr und seiner Familie, die seit dem 17. Jahrhundert im Lungau ansässig gewesen war. Zu den großen Attraktionen des Museums zählt die große Weihnachtskrippe in der rekonstuierten "Mohr-Stube". Die rund 100 Figuren stammen aus dem Jahr 1750 und hatten bereits zu Mohrs Zeiten die Weihnachtskrippe geschmückt.

Wagrain: Josepf Mohrs besiegt mit sozialem Engagement die Armut

In Wagrain erinnert die Joseph Mohr Gedächtnisorgel nach einem Entwurf von Veronika Pointner-Waldl in der Pfarrkirche an das Wirken des sozialen Vikars, der hier seine letzten 21 Lebensjahre verbrachte. Die frühgotische Kirche ist dem Landespatron, dem Heiligen Rupert geweiht und wurde urkundlich erstmals 1359 erwähnt. In diesen Räumen schnuppert man Luft längst vergangener Zeiten: bereits Mohr hat sich hier auf den Gottesdienst vorbereitet. Gegenüber der Kirche liegt der Wagrainer Pfarrhof, ein typischer zweigeschossiger Pongauer-Pfarrhof, den Mohr neben seinem Amt als Vikar bewirtschaftete. Mohrs Grab befindet sich am Haupteingang der Kirche an der 400-jährigen Kirchenlinde.

Hallein: Franz Xaver Grubers Leben im Wohlstand

In der kleinen Stadt an der Salzach, rund 15 Kilometer südlich von Salzburg, lebte der ehemalige Lehrer Franz Xaver Gruber von 1835 bis zu seinem Tod im Jahre 1863. In seinem ehemaligen Wohnhaus direkt gegenüber der Halleiner Stadtpfarrkirche ist heute ein bemerkenswertes Stille-Nacht-Museum eingerichtet, das die komplette Dokumentation des Weihnachtsliedes, seiner Gitarre und Einrichtungsgegenstände seiner einstigen Wohnung zeigt. Das Archiv verwahrt drei Musikinventare, die Gruber während seiner Halleiner Zeit als Chorregent und Choralist angelegt hat. Vo dem Museum im "Stille Nacht"-Bezirk direkt in der Halleiner Altstadt befindet sich auch Grubers letzte Ruhestätte, die liebevoll gepflegt und jedes Jahr am 24. Dezember zum "Singen am Grubergrab" von Besuchern aus aller Welt besucht wird.

Zum Mitsingen: Text: Joseph Mohr, 1816; Melodie: Franz Xaver Gruber, 1818

1. Stille Nacht! Heilige Nacht! Alles schläft; einsam wacht - Nur das traute heilige Paar. Holder Knab im lockigen Haar, Schlafe in himmlischer Ruh! Schlafe in himmlischer Ruh!

2. Stille Nacht! Heilige Nacht! Gottes Sohn! O wie lacht - Lieb`aus deinem göttlichen Mund. Da schlägt uns die rettende Stund'. Jesus in deiner Geburt! Jesus in deiner Geburt!

Nähere Informationen und Auskünfte: Salzburger Land Tourismus, Postfach 1, A-5300 Hallwang b. Salzburg, Tel. 0043-662-6688-44 - EMail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, www.salzburgerland.com oder www.stillenachtland.at

JUBILÄUM: 2018 feiert das Weihnachtslied seinen 200. Geburtstag. An jenen Orten, die eng mit „Stille Nacht! Heilige Nacht“ verbunden sind, laden Museen, Führungen und Veranstaltungen dazu ein, die Geschichte und Bedeutung dieses Kulturguts zu erkunden. Wir werden im Jubiläumsjahr im SPEYER-REPORT darüber ausführlich berichten.