REISEN

REISEN: Tessin – Wo sich das Tor zum sonnigen Süden öffnet

Von Michael Stephan

Wir spazieren über palmengesäumte Promenaden, schauen von grünen Berggipfeln hinunter auf betörend blaue Seen, genießen auf malerischen Piazzas eine Tasse Cappuccino und die wärmenden Strahlen der Oktobersonne: Herbsturlaub im Tessin. Das ist gepflegte Schweizer Gastlichkeit und viel italienisches Flair. Genau das Richtige, um sich vor einem langen Winter noch mal die Seele streicheln zu lassen.

Der südlichste Kanton der Schweiz, durch den stets ein Hauch von Italien weht, begeistert Besucher schon seit Jahrhunderten. „Sie ist wunderbar reich und schön, und vom Alpinen bis ganz zum Südlichen ist alles da“, schrieb Hermann Hesse, ein Literatur-Nobelpreisträger, über seine Wahlheimat. Bei einem Glas Merlot kommt man dann meist nicht umhin, den Einheimischen beizupflichten. „Hier ist es so schön“, erzählen die Tessiner, „dass nachts die Sterne enger zusammenrücken, damit sie ja alle Platz finden über dem Paradies“.

Locarno

Locarno liegt im südlichsten Zipfel des Kantons Tessin, in unmittelbarer Grenznähe zu Italien, am Nordufer des Lago Maggiore. Die besondere geografische Lage und sehr milde Klima Locarnos sind die Voraussetzungen für den touristischen Erfolg der Region. Weltbekannt wurde Locarno zum Ende des 1. Weltkrieges durch den in der Stadt unterzeichneten Locarno-Pakt. Dieses Vertragsdokument regelte Deutschlands Stellung nach dem 1. Weltkrieg und ebnete den Beitritt zum Völkerbund. Locarno ist auch bekannt für das internationale Filmfestival, das seit 1946 jährlich stattfindet. Mittelpunkt der Stadt ist der Piazza Grande: Patrizierhäuser im lombardischen Stil säumen die Piazza. Sehr angenehm in den Sommermonaten sind auch die unzähligen, Schatten spendenden Arkadengänge, von denen viele als Überdachung der Sitzflächen von den Cafes genutzt werden. Die Piazza Grande liegt nur wenige Schritte vom Lago Maggiore entfernt. Der Platz wird jedes Jahr im August zum großen Open-Air-Kino umgebaut.

Die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso ist das Wahrzeichen von Locarno. Die Wallfahrtskirche und das benachbarte Kapuzinerkloster liegen auf einem Hügel, den man schon von weitem erblickt. Der Geschichte nach soll um 1840 einem Mönch die Jungfrau Maria an dieser Stelle erschienen sein. Um 1616 erbaute man eine schlichte Kirche nach dem Glaubensprinzip der Franziskaner. Im 19. und 2o.Jahrhundert erhielt die Wallfahrtskirche ihr heutiges Aussehen. Im Inneren ist das Bauwerk mit Votiftafeln geschmückt, die Gläubige der Madonna in Dankbarkeit für die emfpangene Hilfe stifteten. Ein Besuch der Wallfahrtskirche lohnt sich auch wegen des grandiosen Ausblickes über die Stadt und den See.

Ascona

In einer schönen, sonnigen Bucht gelegen, befindet sich Ascona. Ascona wird als die „Perle“ des Lago Maggiore beschrieben. Besonders schön zu erleben: ein faszinierendes Netz von kleinen Gässchen lässt versteckte, zauberhafte Winkel des Städtchens entdecken. Weiter kommt man an die Piazza, die als Promenade dem See entlangläuft. Diese See-Terasse beherbergt abendliche Unterhaltung, Märkte und Feste und dient dem Jazz Festival „JazzAscona“ als Freiluftbühne. Ein besonderes Fest ist in Ascona das Kastanienfest im Oktober: Am Ufer des Lago Maggiore werden den „maromatt“ über 2000 Kilogramm Kastanien (Marroni) auf dem Feuer geröstet und verkauft. Kleine Stände bieten auch verschiedene Produkte auf Kastanien-Basis wie Marmelade, Honig, Torten und weitere typische Nahrungsmittel aus der Region.

Brissago Inseln

Der botanische Garten „Isole di Brissago“ beherbergt Pflanzenarten aus allen fünf Kontinenten der Erde. Dank dem außerordentlichen Klima und der Lage der Inseln in der Mitte des Sees gedeihen über 1600 Pflanzenarten, oft einzigartig in der Schweiz. Ein botanisches Gesamtwerk, das seit der Errichtung des Gartens im Jahre 1885 fortwährend gepflegt und erweitert wird. Besonders sehenswert sind einige ungewöhnlich große und alte Sumpfzypressen, die eine Höhe von 40 Metern erreichen. Ein nahezu unentwirrbares Bambusdickicht, eine außerordentliche Sammlung wertvoller Kamelien sowie edle Ginko-Bäume sind die Höhepunkte des botanischen Gartens. Sehenswert sind auch die zahlreichen Rhododendren und Azaleen, wenn sie im Frühling ihr volle Blütenpracht entfalten.

Val Verzasca

Im Tal Verzasca schießt das Wasser in smaragdgrüner Farbe im Nu hinunter in Richtung Lago Maggiore, doch wer als Tourist in dieses Tal kommt, sollte es alles andere als eilig haben. Es ist in wilder Einschnitt ins Gebirge, das Val Verzasca im Süden des Tessin. Wer hier aus Richtung Locarno ankommt, wird als erstes die riesige Staumauer des Wasserkraftwerkes sehen, die mit 380 Metern Länge und 220 Metern Höhe in gewaltiger Größe die Schlucht beherrscht. Echte Fans des britischen Agenten 007 kennen diese Mauer, stürzte doch der Darsteller Pierce Brosman hier im Film „Goldeneye“ erstmals zu Tal. Seitdem ist hier Bungee-Jumping angesagt.

Wer es gemütlicher mag, der wandert auf dem Sentierone, einem immer Fluss entlang laufenden Weg, von Vogorno aus talaufwärts in Richtung Gorippo, ein kleines Dorf, das in abschüssiger Lage in die Berge hinein gebaut wurde und seit 1975 denkmalgeschützt ist. Lavertezzo, der einstige Gerichtsort der Landvögte, besticht durch seinen reizvollen alten Ortskern und der Pfarrkirche St. Maria degli Angeli aus dem 15. Jahrhundert. Die größte Sehenswürdigkeit von Lavertezzo ist jedoch die etwas weiter flussaufwärts gelegene Ponte die Salti. Die zweibogige Natursteinbrücke, deren Mittelpfeiler auf einem mächtigen Gneisfelsen im Bett der Verzsasca ruht, stammt nicht aus römischer Zeit, sondern aus dem Mittelalter. Nur eine niedrige Steinbrüstung begrenzt die Brücke, ver der man einen grandiosen Blick in das wilde Bett der Verzasca mit ihren bizarren Felsskulpturen bis hinüber zur Kirche hat. Das Wasser des Flusses schimmert hier in einem besonders intensiven Tiefblau oder smaragdgrün. Wer sich für die Menschen im Tal und die Geschichte und Geschichten im Val Verzsasca interessiert, steigt noch weiter talaufwärts bis in das letzte Dorf, Sonogno. Ein antikes Bauernhaus, die Casa Genardini, wurde dort zu einem Museum umgebaut, dem Museo di Val Verzsasca. Die Kirche Madonna di Loreto, die 1854 gebaut wurde, bildet den Mittelpunkt des 100-Seelen-Ortes. In der Nähe der Kirche befindet sich ein altes Dorfbackhaus, das heute noch in Betrieb ist.

Gut zu Wissen:

Hinkommen: Mit der Bahn über Basel nach Bellinzona, von dort weiter nach Locarno. Die Inseln und das Verzasca Tal sind mühelos mit Schiff oder Postbus zu erreichen.

 

Infos: Tessin Tourismus, Via Lugano 12, CH – 6501 Bellinzona; Tel. 0041 91 825 70 56; www.ticino.ch

 

Schweiz Tourismus: Telefon 00800 100 200 30 (kostenfrei mit persönlicher Beratung). www.MySwitzerland.com