REISEN

Grönland: Atemberaubend schön / Das einsame Naturparadies im Eis der Arktis (Teil 1)

Reisebericht und Bilder von Michael Stephan

Kaum mehr als vier Stunden über den Wolken, dann verlassen wir das kleine Flughafengebäude von Kangerlussuaq – und betreten eine andere Welt: Kleine, bunte Fischerdörfer, wie verloren an der endlosen Küste. Zartblaue Eisberge, die im Wasser leuchten. Weltabgeschiedene Täler, durch die glasklare Bäche rauschen. Die größte Insel der Erde zieht uns von der ersten Sekunde an in ihren Bann.

Grönland – ein Land geprägt vom ewigen Eis der Gletscher und Eisberge. Und trotzdem nennen die Einheimischen die Insel „Kalaalit Nunaat – Land der Menschen“.

Kangerlussuaq (das übersetzt „der lange Fjord“ bedeutet)ist kein Ort, sondern der Flughafen des Landes schlechthin. Über 90 Prozent aller Reisenden von und nach Grönland kommen hier an. Viel mehr Zivilisation ist hier nicht: ein einsames kleines Tourist-Office, eine noch kleinere Polizei-Station, eine Lodge (die Polar-Lodge) und in der Nähe das Restaurant Robklubben, direkt am Lake Ferguson gelegen. Wir machen mit einem Tundra Buggy eine erste Tour hin zum Inland-Eis bis zum Russel-Gletscher. Schier überwältigt steht man vor der Abbruchkante, einer bis zu 60 Meter hoch aufragenden Eiswand, von der ständig Eis abbricht, weshalb hier Vorsicht geboten ist. Es gibt einen guten Punkt, genannt Point 660, von dem man sehr einfach auf das Inlandeis gelangt. Rund 40 Kilometer von Kangerlussuag entfernt liegt dieser Einstieg am Ende der Jeep-Piste, die ursprünglich im Jahr 2000 von VW für Testzwecke angelegt worden ist. Heute fahren hier Mountainbiker und die Geländewagen von World of Greenland-Arctic Circle entlang. Am Ziel ist es relativ leicht, auf das Eis zu gelangen und bei Beachtung der kleinen und größeren Spalten kann man einige Meter oder Kilometer weit gehen. Es ist ein erhabenes Gefühl, diese eisige Weite zu erleben.

Wir fliegen am nächsten Morgen in die Landeshauptstadt Nuuk (bedeutet Landzunge); das wirtschaftliche, kulturelle und politische Zentrum ist mit seinen 16.500 Einwohnern eine für unsere Verhältnisse kleine Stadt, jedoch die größte Stadt des Landes. Im Jahr 1728 gründete der norwegische Missionar Hans Egede in der Innuitsiedlung Nuuk eine Missionarsstation. Nuuk liegt 250 Kilometer südlich des Polarkreises und dank des Golfstromes bleibt das Meer hier ganzjährig eisfrei. Neben dem Kolonialhafen ist das Nationalmuseum, das Hans Egede Haus und Denkmal sowie die Skulptur „Mutter des Meeres“ ein besonderer Anziehungspunkt. Der größte Schatz des Museums sind die Mumien aus Qilakitsoq, die fast 500 Jahre in einer Felsengrotte gelegen haben, bis sie 1972 zufällig entdeckt wurden. Die vier besterhaltenen sind im Nationalmuseum zu sehen. Mit dem Linienbus (Linie 3) eine Rundtour in die Neustadt, ideal um die Ausdehnung der stetig wachsenden Stadt kennen zu lernen. -Teil 2 folgt-