BUNT GEMISCHT

Bilder © Bernhard Bumb

„Ich verbiege mich nicht“ / Obwohl fast keine Zeit für ein Hobby bleibt, sieht der Seilersche Garten schon mal besser aus

Pressegespräch nach der 100-Tage-Frist mit OB Stefanie Seiler

„Der Garten sieht besser aus als im vergangenen Jahr“, sagt Stefanie Seiler, als sie von Speyer-Report gefragt wurde, ob sie bei dem Pensum als Stadtspitze noch Zeit für ein Hobby hat und ob ihr Partner seit ihrem Amtsantritt in den eigenen vier Wänden mehr anpacken muss. Gärtnern sei ihre Leidenschaft, so die Oberbürgermeisterin im gestrigen Pressegespräch, aber fürs Hobby bleibe kaum Zeit. Ihr Partner Jens Krüger ist inzwischen ein Vollzeit-Hausmann. Seiler: Er ist die Rückendeckung zu Hause. Die Tagesabläufe sind schon so, dass „die Familie nicht unter die Räder kommt“. Und zwei bis drei Mal in der Woche gibt’s Mittagessen daheim, „Oma kocht“. Doch zurück zum Thema, es ging im Pressegespräch um die „ersten 100 Tage als Oberbürgermeisterin“.

Die berühmte 100-Tage-Frist geht auf Franklin D. Roosevelt zurück. Der US-Präsident erwirkte ein Stillhalteabkommen zwischen Medien und Politik, quasi eine Schonfrist von 100 Tagen, nach denen die Ergebnisse seines Reformprogramms erkennbar werden sollten, informiert Wikipedia. Nun, es geht bei dieser Tradition nicht mehr ausschließlich darum, was binnen 100 Tagen erreicht, abgeschlossen wurde wie bei Roosevelt, sondern ganz einfach darum, wie was angelaufen ist, was wie in 100 Tagen nach einem Amtsantritt bewerkstelligt werden konnte, welche Ziele in den ersten 100 Tagen gesteckt wurden.

„Ich sehe einen sehr großen Zuspruch und den Willen zu gestalten“, betonte OB Seiler hinsichtlich des Personals in der Verwaltung. Eine anonymisierte Umfrage sei innerhalb der Verwaltung gestartet. Es gehe um Arbeitszufriedenheit, den Umgang untereinander, die Einschätzung der Führungskräfte, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, um die Mobilität des Personals und um Verbesserungsvorschläge. Das Ergebnis der Umfrage soll im Herbst in einer Personalversammlung präsentiert werden. Eine Wiederholung der Umfrage sei in fünf Jahren angepeilt.

Was die bisher dicksten Brocken seien seit Amtsantritt wollte der Speyer-Report wissen. Seiler: „Ein großes Thema ist die Hauptfeuerwache, den für 2019 vorgesehenen ersten Spatenstich sehe ich noch nicht“. Als ein ebenfalls ganz wichtiges Thema sei der städtische Marketingprozess. Zu den dicken Brocken gehöre ganz klar das Thema Klima. Es sei für sie ein emotionaler Moment gewesen, als sie am Ende der Klima-Demonstration „Fridays for Future“ vor jungen Leuten spontan gesprochen habe. „Ich war sehr berührt“, sagte die SPD-Frau.

Digitalisierung größte Herausforderung

Stadtentwicklung und Naturschutz unterlägen immer einem schwierigen Spagat, verwies die Oberbürgermeisterin auf die beiden Themen. Die Verwaltung müsse als gutes Beispiel vorangehen. Von der „Verschotterung“ mancher Vorgärten zeigte sich sich nicht begeistert. Mehr Natur auf Kreiseln, auf Verkehrsinseln fiel ihr auf die Schnelle ein. Angedacht sei eine Bestandsaufnahme von bebauten und unbebauten Flächen. Wo genau entsiegelt werden könne, müsse noch recherchiert werden.

Die wohl größte Herausforderung für die Verwaltung sei die Digitalisierung, hob die OB hervor und zeigte beispielhaft auf den großen Monitor neben dem Schreibtisch, an dem sie arbeitet und früher ihr Amtsvorgänger Karl Leiling seine Amtsgeschäfte auch während der Nazi-Herrschaft erledigt hat, dessen Rolle im Dritten Reich bis heutzutage nicht ganz durchsichtig sein soll. Hinsichtlich der Digitalisierung kooperiere man mit der Universität für Verwaltungswissenschaften und mit der Metropolregion zusammen. Auf diesem Sektor werde künftig auch die Bürgerbeteiligung eingebunden.

Die Digitalisierung werde nicht zum Abbau von Personal führen, davon sei sie überzeugt, machte Seiler klar und merkte an: „Digitalisierung darf kein Mechanismus für Rationalisierung sein“. Mit Blick auf ihre Standpunkte sagte Stefanie Seiler: „Ich verbiege mich nicht“. -Bernhard Bumb-