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Antike Götter und christliche Heilige“

Kleinbronzen aus Renaissance und Frühbarock in einer Sonderausstellung im Wormser Museum Heylshof

Worms. - Cornelius von Heyl (1843-1926) und seiner Frau Sophie (1847-1915) gelangen in den Jahrzehnten zwischen 1870 und 1916 bedeutende Erwerbungen von Kleinbronzen und Plaketten vor allem der italienischen Renaissance und des Frühbarock. In Zeiten einer umfassenden Begeisterung für solche wegen ihrer künstlerischen wie dekorativen Qualitäten hochgeschätzten Objekte trugen sie, beraten von dem Berliner Museumsdirektor Wilhelm Bode, gegen starke Konkurrenz von Privatsammlern und Museen eine exquisite kleine Kollektion zusammen. Sie bereichert die umfassenden Sammlungen des Museums Heylshof um ein besonders signifikantes Segment und enthält nicht wenige Stücke, die jedem großen internationalen Museum Ehre machen würden.

Zwei Schwerpunkte zeichnen sich ab, die offensichtlich die Vorlieben des Sammlerehepaares charakterisieren: Bildwerke der religiösen Andacht, teilweise nach bedeutenden Vorbildern wie Michelangelos römischer Pietà, und hoch kunstvolle Werke, mythologische Aktfiguren und elegante Pferdedarstellungen.

Die bedeutendsten Künstler und Kunstzentren sind vertreten: Florenz mit Giambologna (1529–1608) und seinen Nachfolgern, Venedig mit Niccolo Roccatagliata (um 1570–1636) und Girolamo Campagna (1552–1623/25), Rom schließlich mit Guglielmo della Porta (um 1514/15–1577) und François Duquesnoy (1597–1643).

Dies gilt besonders für den schmalen, aber exquisiten Bestand an Kleinplastik, deren Rang nun durch Professor Dr. Georg Satzinger und sein junges, fünfköpfiges Forscherteam im Rahmen eines Projektseminares an der Universität Bonn 2016/17 erst eigentlich entdeckt und gewürdigt wurde. Die unverzichtbare Arbeit am Original vor Ort lieferte den Kunsthistorikern unter der Anleitung von Georg Satzinger die Grundlage für neue und genauere Einordnungen, Bestimmungen und Zuschreibungen hinsichtlich Materialitat, Bearbeitung, Modifikation, Gebrauch, Entstehungszeit und -ort sowie Künstler und Werkstatten.

Projektseminar, Ausstellung sowie Katalog wurden wissenschaftlich begleitet und beraten von Dr. Volker Krahn, Oberkustos an der Skulpturengalerie Berlin, Stiftung Staatliche Museen zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz. Die Projektleitung lag bei dem Kurator des Museums Heylshof, Dr. Olaf Mückain. Besondere Bedeutung kam dabei dem Vergleich mit verwandten Arbeiten aus internationalen und deutschen Museumssammlungen zu, wofür die Studiengruppe über das Quellenstudium und die Auswertung der Fachliteratur hinaus eigens auch Exkursionen unternahm.

Die Ergebnisse dieser fruchtbaren Forschungsarbeit werden bis 31. Dezember 2017 im Museum Heylshof im Rahmen einer konzentrierten Sonderausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt. Zur Ausstellung erscheint ein reich illustrierter wissenschaftlicher, broschierter Katalog bei der Wernerschen Verlagsgesellschaft, Worms, der auch im Museum Heylshof erhältlich ist. Die Ausstellung wird vom Förderkreis des Museums Heylshof unterstützt. -Text/Bild: Wernersche Verlagsgesellschaft-

 

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