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Planzeichnung von Fritz Klotz nach einem Stadtplan im Stadtarchiv Speyer. - Bild by Speyer-Report

Leichen im Keller? In der Wormser Landstraße möglich

Friedhofgeschichten Teil 21 / Friedhof der Reformierten

von Bernhard Bumb

Vor dem verheerenden Stadtbrand anno 1689 (Pfälzischer Erbfolgekrieg) haben die Reformierten ihre Verstorbenen auf dem Friedhof an der Ägidienkirche begraben – seit den 1980er Jahren Pfarrzentrum Ägidienhaus neben St. Joseph. Es gab um die ehemalige Kirche immer wieder ein heftiges – auch militärisches – Gerangel: mal katholisch, mal lutherisch, mal reformiert, hin und her.

  Es hieß im Zusammenhang mit dem Anlegen eines eigenen Friedhofs für die reformierten Einwohner, dass diese aus Abscheu vor dem Kruzifix das Bestatten ihrer Toten auf dem lutherischen Stadtfriedhof abgelehnt hätten. Kleiner Hinweis: Katholiken, Lutheraner und Reformierte waren sich oft feindlich gesinnt. Pech, die reformierte Gemeinde musste ihre Verstorbenen weiterhin auf dem städtischen Friedhof – lutherisch – begraben.

  1734 war es – auch wegen einer Seuche, die während der Belagerung von Philippsburg ausgebrochen war und viele Tote forderte – dann soweit, die Reformierten kauften einen Garten des Bürgermeisters Bächt für das Anlegen eines eigenen Friedhofs: „Damit ihre Toten dem Laib allda auch ihre unzerstörte Ruhe bis zu einer seligen Auferstehung hätten“. Durch die Seuche drohte Platzmangel auf dem städtischen Friedhof. Es gab jedoch weiterhin Unstimmigkeiten zwischen der Gemeinde und dem Rat der Stadt. Wohl hatte sich die Gemeinde im Ton vergriffen. Der Rat forderte die Verantwortlichen der Reformierten auf, sich ihm gegenüber gemäßigter zu äußern.

  Der Friedhof hatte eine Länge von rund 43 Meter und eine Breite von 25 Meter, er wurde später vergrößert. Die Lage des ehemaligen Friedhofs zeigt der Plan (Original im Stadtarchiv Speyer) auf dem Speyer-Report-Bild – diagonal zwischen Prinz-Luitpold-Straße und KiTa WOLA. Anno 1813 wurde die Wormser Landstraße radikal begradigt, östlich der neuen Trasse entstanden Wohngebäude. Damit ist der Friedhof Geschichte. Durch den Straßenbau und die Wohnbebauung ist er verschwunden. Es ist durchaus möglich, dass die Eigentümer „Leichen im Keller haben“.

  Hinweis: Durch den rücksichtslosen Straßenbau fiel die imposante Ruine der Heilig-Grab-Kirche der Spitzhacke zum Opfer. Diese Kirche wurde der Grabeskirche im Heiligen Land quasi 1:1 nachgebaut, sie war ein romanisches Kleinod, eine Stiftung zweier reicher Bürger, die wohlbehalten nach einer Pilgerreise aus dem Heiligen Land nach Speyer zurückgekommen sind. Reste der Kirche liegen unterm Kreuzungsbereich Rausches Wasser.

  1817 sah es übel aus mit dem restlichen Friedhof, er wurde als „öder Platz“ bezeichnet. Ein Justizrat Schlemmer kaufte das heruntergekommene Areal und erweiterte damit seinen Englischen Garten: „Aus dem Friedhof war ein schöner Biedermeier Garten geworden“. Schließlich wurde alles Gelände drumherum überbaut. - Letzte Folge dieser Speyer-Report-Serie am 22. November 2020.

  Quellenangabe: Informationen aus „Speyer – Kleine Stadtgeschichte“ von Fritz Klotz, mehrere Auflagen seit 1971, erschienen im Verlag Historischer Verein der Pfalz/Bezirksgruppe Speyer

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