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Sammelgrab mit den sterblichen Überresten des Domherren Joseph Schwind. - Bild © Speyer-Report

Im Sammelgrab bestattet

Friedhofgeschichten Teil 20

von Bernhard Bumb

Nach dem Eingang zum Friedhof des Domkapitels am Turm der Kirche St. Bernhard kommt man zunächst an die Gräberreihe, in der Domherren des Bistums Speyer bestattet sind. Da fällt den Besuchern auf, dass in der hinteren Reihe, beidseitig des Grabmals für Bischof Matthäus von Chandelle, auf zwei Grabplatten mehrere Namen von Domherren zu lesen sind. Unter diesen Grabplatten liegen gesammelt die sterblichen Überreste der Domherren, die zunächst auf dem Hauptfriedhof, in einer Domherrengruft, zur letzten Ruhe gebettet wurden.

  Nach der Weihe und Eröffnung des Kapitelfriedhofs durch Bichof Dr. Isidor Markus Emanuel 1955 wurden die sterblichen Überreste der Domherren vom Hauptfriedhof hier her gebracht und in die beiden Sammelgräber gelegt. In dem rechts vom Grabmal Chandelles befindlichen Sammelgrab liegen unter anderem die Gebeine des Domherrn Joseph Schwind (1851 – 1927).

 

Cover. - Bild © Druckmedien Scandruck GmbH, Speyer

 

  Zitat aus „Auf den Spuren Edith Steins durch Speyer“ (Bumb/Feldes):Mit dem Dom verbindet Edith Stein aber auch eine sehr traurige Erinnerung: Generalvikar Joseph Schwind, ihr geistlicher Begleiter, bricht am 17. September 1927 in seinem Beichtstuhl zusammen. Domkaplan und Besucher bemühen sich um den Generalvikar. Vergebens. Er stirbt. Nach einigen Minuten eilt Edith Stein hinzu. Sie … begleitet jedoch den Verstorbenen, als er vom Dom in seine Wohnung gebracht wird.

  Im Zusammenhang mit der Heiligsprechung Edith Steins wurde dem Beichtstuhl Schwinds ein besonderer Platz und angemessener Rahmen gegeben. Er wurde in die Katharinenkapelle des Domes gebracht und das war der Anlass, sie zur Reliquienkapelle des Domes zu erklären“.

Weiter heißt es:

  Joseph Schwind war der geistliche Begleiter der Edith Stein, eine geborene Jüdin, die schließlich zum katholischen Glauben konvertierte, in Speyer lange Zeit als Lehrerin gewirkt hat, sich als Philosophin einen Namen machte, die in den Karmel in Köln ging und am 9. August 1942 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordet wurde.

  Schwind wohnte direkt am Dom (Edith-Stein-Platz 4) zusammen mit seiner Schwester Maria (1857 – 1933), sowie den beiden Nichten Anna (1892 – 1981) und Elisabeth (1894 – 1966). Der Domherr war ein erfahrener Seelsorger. Doch Edith Stein war für ihn eine besondere Herausforderung. Eine Episode:

  Nach einem Besuch der Edith Stein und ein sich einige Stunden hinziehenden Gesprächs der beiden geht Schwind in die Küche, wo Anna das Abendessen zubereitete, er lässt sich auf einen Stuhl fallen und ruft händeringend: „Oh, diese Philosophin! Sie kann mehr Fragen stellen, als zehn gelehrte Theologen beantworten können!“

  Durch Joseph Schwind erhält Edith Stein, die auch promovierte, die Anstellung als Lehrerin in St. Magdalena. Er bemühte sich zudem, die begabte junge Frau auf wissenschaftlichem Gebiet zu fördern. 1925 arrangierte er ein Treffen zwischen Edith Stein und dem Religionsphilosophen Erich Przywara (Jesuit). Diese Begegnung sollte für Edith Stein von großer Bedeutung werden. - Es folgen noch zwei Teile dieser Serie am 21. und 22. November 2020.

  Die Broschüre "Auf den Spuren Edith Steins durch Speyer" (Bumb/Feldes) ISBN 978-3-00-065616-3 gibt's für 3,50 € in jeder Buchhandlung.

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