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Planzeichnung ‚Der Judenfriedhof‘ von Fritz Klotz (1956). - Bild © Speyer-Report

Der Judengarten

Friedhofgeschichten Teil 19

von Bernhard Bumb

Fritz Klotz, der das Buch ‚Speyer – Kleine Stadtgeschichte‘ geschrieben hat – im Verlag des Historischen Vereins der Pfalz/Ortsgruppe Speyer erschienen – und Autor zahlreicher stadtgeschichtlicher Aufsätze, hat auch in der Tageszeitung Die Rheinpfalz über den jüdischen Friedhof geschrieben, der einst zwischen den Straßen „Im Frohsinn“ und „Sankt-Klara-Kloster-Weg“ existierte. Aus diesem Bericht diese Informationen:

  1817: Die Pfalz wurde bayerisch und hieß zunächst offiziell Bayerischer Rheinkreis. In diesem Jahr zählte Speyer 6.277 Einwohner inklusive 111 Juden. Einen jüdischen Friedhof gab es nicht, die verstorbenen Juden mussten andernorts bestattet werden. Ein Gelände, das den Juden schließlich angeboten wurde, war Teil des früheren Galgenfeldes. Nicht so sehr der Name störte die Juden sondern die Abgeschiedenheit, das Gelände sei „eine halbe Stunde von der Stadt entfernt und ohne polizeiliche Aufsicht“. Die Juden befürchteten auf einem abgelegenen Friedhof Vandalismus, gebe es noch genug Menschen, die jede Gelegenheit nutzen, ihnen zu schaden, heißt es.

  Schließlich bekamen die Speyerer Juden ein Grundstück zwischen den Straßen „Im Frohsinn“ und St.-Klara-Kloster-Weg“ für einen eigenen Friedhof. Auf diesem kleinen Friedhof – seit 1823 – durften auch die Juden von Berghausen, Dudenhofen und Harthausen gegraben werden, Juden aus anderen Gemeinden nur mit Erlaubnis des Stadtrates. Speyerer Juden und Juden aus den drei genannten Dörfern durften nicht in anderen Orten beerdigt werden.

  Seit 1881 werden alle verstorbenen Speyerer auf heutigen Friedhof bestattet. Die jüdische Kultusgemeinde bekam ein Areal an der südlichen Friedhofsmauer zugeteilt – beim Autohaus Jäger & Keppel. Der 1823 eröffnete Judenfriedhof beim „Frohsinn“ und „St.-Klara-Kloster-Weg“ wurde geschlossen und blieb bis in die 1930er Jahre erhalten. Bis in die jüngste Vergangenheit sprach man auch vom „Judengarten“.

  Nach der Beseitigung der Grabsteine wurde der „Judengarten“ an die Angrenzer aufgeteilt. Die ehemalige Trauerhalle existiert noch (Privateigentum, St.-Klara-Kloster-Weg). Alte jüdische Grabsteine sind im Museum SchPIRA/Judenhof, Kleine Pfaffengasse, aufgestellt. - Von dieser Serie gibt es noch 3 Folgen: 20., 21. und 22. Novmver 2020

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