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Die "Wilde Jagd" beginnt... Bilder/Bernhard Bumb/Archiv.

2020/2021: Die Wilde Jagd und andere Geister / Alles Gute in 2021 wünscht der Speyer-Report

Von Silvester auf Neujahr

Nach uralter Tradition bricht in der Nacht von Silvester auf Neujahr die Wilde Jagd auf. Geister, Dämonen und die Seelen der Verstorbenen haben Ausgang. Sie können Umzüge veranstalten, wild übers Land ziehen, dabei Unfug machen, wie beispielsweise Wäsche von den Seilen klauen, Bäume absägen, in den Ställen das Vieh verzaubern.

 

Die junge Frau hat verbotenerweise der Gestalt ihres künftigen Bräutigams nachgeschaut...

 

  Menschen, die zauberkundig sind, schließen einen Pakt mit dem Teufel und wandeln sich in Werwölfe. Vor allem in der Eifel, im Schwarzwald, in den Alpentälern und im Pfälzerwald treiben diese Gestalten ihr Unwesen - im Pfälzerwald seit der Einführung des evangelischen Glaubens fast nicht mehr. Teuflische, geisterhafte Namen von Felsen, Steinen, Löchern deuten hin auf die Unholde in der Pfalz: Teufelstisch, Mordkammer, Heidenlöcher…

 

Wenn die Perchten und Krampusse kommen...

 

  Noch heute ziehen im Alpenraum in der Silvesternacht die Perchten durch die Flure, Straßen, Dörfer und über Plätze hinweg. Wehe, wer sich ihnen nähert… Krampusse mischen mit. Aber es kreuzen auch die Glöckler auf. Diese und Krachmacher gehen den Geistern und Dämonen wehrhaft entgegen. Mit Schellen- und Glockenlärm, Gewehrsalven (Feuerwerke) und Peitschenknallerei werden die Unholde letztendlich vertrieben – denn sie sollen das neue Jahr nicht beherrschen.

  In den Rauhnächten – die Silvesternacht gehört zu den vier wichtigsten Rauhnächten – werden Orakel befragt, wird das Glück aus dem Bleigießen gelesen. Der Zwiebelkalender dient der Vorhersage des Wetters. Manche Tiere sprechen in der Silvesternacht. Tiere dürfen sich aber auch bei einem Hausgeist über ihren Herren beschweren, wenn dieser sie schlecht behandelt hat. Der Tierhalter hat dann nix zu lachen! Wer diesen ganzen Zauber verhindern will, sollte vor Einbruch der Dunkelheit mit Weihrauch durch die Ställe gehen.

  Unverheiratete Frauen haben die Gelegenheit, in den Rauhnächten (25. Dezember bis 6. Januar) an einer Kreuzung oder einem anderen magischen Ort den künftigen Bräutigam zu sehen. Dessen Gestalt wandelt schweigend an ihnen vorüber. Die Frauen dürfen ihre künftigen Männer weder ansprechen noch ihnen nachschauen, das kann Unglück bringen.

  Mit dem Beginn der Rauhnacht an Sivester sollen im Freien keine Wäscheleinen gespannt sein, damit sich die Wilde Jagd in diesen nicht verfangen kann, sonst machen die Gestalten im Haus eine große Unordnung. Vor Beginn der Silvesternacht soll aller Unrat aus den Häusern sein – das alte Jahr wird hinausgekehrt.

  Bleibt die Frage: Wenn aufgrund der Corona-Verordnung nur auf dem eigenen Grundstück mit Feuerwerk geknallt werden darf, macht das auf die Wilde Jagd, auf Geister, Dämonen, Hexen, Perchten und Krampusse noch Eindruck oder lachen diese sich quasi kaputt? - bb

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